
Die Seelenerfahrungskunde, also die Analyse (die Erkundung mit der Absicht, das verschwommen als Einheit Wahrgenommene zu lösen, sprich: in den Wechselwirkungen seiner Bestandteile zu erkennen ) der Psyche (Seele) in der Nachfolge Freuds schreibt der Instanz (dem, worauf/s man besteht) des Ich auch synthetisierende (vereinigende) Tätigkeiten zu. Wenn ich also vorschlage ein atavistisches (von den Ahnen stammendes) Konzept (etwas, das man erfasst oder begriffen hat) vom Leben als manifester (greifbarer) Traumerfahrung – wie sie aus dem Schamanismus und der aboriginalen (vom Ursprung stammend) Traumzeit bekannt ist – mit den psychoanalytischen Erkenntnissen zur Traumdeutung zu koppeln, dann übe Ich (hier durchaus groß zu schreiben) eben diese Tätigkeit aus – und verletze damit von beiden Richtungen aufgestellte Grenzen. Es entsteht ein Konflikt (Zusammentreffen), der sich krisenhaft (etwas, das einer Entscheidung harrt) zuspitzen kann. Der Versuch einer Synthese bewirkt also eine Abgrenzung?
Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Psychoanalyse nach Freud erweiternde Richtungen eingeschlagen, wie sie sich in den Werken Jungs, Reichs und Grofs zu Horizonten (Wahrnehmungsgrenzen, Gesichtskreisen) aufschwingt, die über das Individuelle (Unteilbare, aber auch Einzigartige) hinausgehen. Wichtig ist dabei das Prinzip (wo etwas, hier das Erlaubte, seinen Anfang nimmt) der Zensur (des Abschneidens), das die Gesichtskreise begrenzt. Der Zensor (der Abschneidende, Begrenzende) kann als Kraft beschrieben werden, die die Integrität (die Unversehrtheit) des Ich schützt, indem sie das ausgrenzt oder nur in veränderter Form zulässt, was diese Unversehrtheit wirklich oder imaginär (eingebildet) verletzen könnte.

Anna Freud hat die Abwehrmechanismen (Werkzeuge der Abwehr) des Ich intensiv (gespannt) erkundet. Um das obige Zitat nicht vorschnell aufzunehmen, ist es wichtig zu verstehen, dass „Assoziation“ (Verbindung, Verknüpfung) und „Widerstand“ in der Psychoanalyse nicht im Alltagssinn verwendet werden, dass es fachsprachliche Termini (abgegrenzte Begriffe) sind, die ein Verfahren (Assoziation) und eine Verhaltensweise des Ich (Widerstand) beschreiben. Ansatzweise verständige Laien wie ich können diese Begriffe kaum benutzen ohne von erfahrenen, ausgebildeten Verwendern zurecht auf Unstimmigkeiten in ihrem Verständnis des Systems (des in sich verbundenen, zusammenhängenden Gebildes) der Psychoanalyse hingewiesen zu werden. Diese Tatsache bewusst beiseite schiebend, schlage ich dennoch ein Gedankenspiel vor:
Man imaginiere (bilde sich ein), Frau Freud habe hier die konstruktivistische (bildende, zusammengebaute) Bastelanleitung für die täglich erlebbare Umwelt geliefert. Diese Vorstellung, der latente (verborgene) Traum, die Möglichkeit an Wirklichkeiten, die uns umgibt, werde mittels bestimmter Verfahren der Ab- und Ausgrenzung zum manifesten (greifbaren) Erlebnis, bietet nicht nur eine Erklärung für individuell unterschiedliche Reaktionen (Wieder-Handlungen) auf dieselbe Gegebenheit (die nur aus der Sichtweise eines Dritten als mit sich selbst gleich erschiene*), welche die Psychoanalyse ja von Pathos (Leiden) zu befreien sucht, sondern befriedigt ein uraltes Verlangen nach Orientierung (Ausrichtung zum Ursprung hin oder vom Ursprung her) in einem als ungeordnet erlebten Universum. Das eben, was die Analyse als eine Funktion des Ich in der Bewusstseinsbildung beschreibt. Hat man diesen Schritt (der in der Psychoanalyse alter Schule als „magisches Denken“ ausgegrenzt und als neurotisch betrachtet würde) vollzogen, dann ist der Schritt zur Spiritualität (der Erfahrung einer begeisterten Welt) nicht mehr weit.
Eben diese Pfade beschritten in der Abgrenzung zum objektivistischen (auf das Entgegengeworfene eingeschränkt) Empirismus (auf dem, was Wissenschaft als Erfahrung abgrenzt, gründend) Freuds einige seiner Schüler und Nachfolger. Wie nicht anders zu erwarten, verloren manche dabei zeitweise den festen Boden unter den Füßen, was aber weder den Versuch als solches noch ihre Funde in der Gesamtheit diskreditiert (ihnen das Vertrauen entzieht). Denn sollten wir wirklich unser Dasein in einer durch so willkürliche wie nicht bewusstseinsfähige Grenzziehungen beschützend abgeschirmten Wirklichkeit fristen, dann ist jeder Blick über den Horizont (den die Wahrnehmung einschränkenden Gesichtskreis) hinaus nicht nur eine Bedrohung, sondern vielleicht auch eine Befreiung von nicht mehr benötigten oder sogar im Jetzt bedrohlichen Schutzhaltungen. Dies zu tun, ist Herr Freud einst angetreten, wenn ich die Überlieferung richtig deute.
Aufklärung heißt eben, sein Verständnis (das, was man für selbstverständlich, verständlich und unverständlich hält) als Erlebensgrundlage auf vulkanisch bewegten Kontinenten (Zusammenhängendem) anzunehmen, nicht aber es zu verabsolutieren (loslösen, im Sinne von: als unveränderbar und uneingeschränkt gültig ansehen). In den Worten Kants:

* In der Psychoanalyse gilt hier das Realitätsprinzip (das, was in der Wirklichkeit seinen Ursprung hat) – wieder so ein Begriff, der ausführliche Verständnisübungen erfordert.
(Die zum Abschluss verwendete Grafik, ein Holzschnitt Flammarions, wird als gemeinfrei ausgewiesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:FlammarionWoodcut.jpg )
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